Die Wertefrage

 

Am Anfang steht die Frage nach den Werten...

Wer sich damit beschäftigt, was die "richtige" Lebensweise ist, landet irgendwann bei der Frage nach den Werten, die das individuelle Dasein bestimmen. Wie jedoch geht man damit um? Was ist richtig, was ist falsch? Praktisch entzündet sich die Frage nach den Werten z.B. bei: Was tun, wenn das Gefühl sagt "kaufen" und der Verstand "das Portemonnaie ist leer"? Prinzipiell macht es Sinn, zwischen "Werten" und "Prinzipien" zu unterscheiden. Werte unterliegen dem eigenen Einfluß, sind steuerbar und wandelbar. Ich kann von heute auf morgen meine Werte ändern und niemand wird mich daran hindern. Prinzipien hingegen sind die Folgen der Werte, die ich vertrete. (Vgl. hierzu auch S. Covey). Wenn mein Wertesystem mich in den Mittelpunkt stellt, dann ist die Folge davon, dass meine Beziehungen zu anderen Menschen leiden. Das gilt umgekehrt natürlich genauso: Wenn ich mich aufrichtig für meine Mitmenschen interessiere und so zuhöre, dass ich sie wirklich verstehe, verbessern sich meine Beziehungen. Auf das Simple Living Konzept übertragen, kann das bedeuten: Konsum stellt für mich einen Wert dar. Ein Prinzip ist aber: Wenn ich keine Konsumschulden habe, bin ich unabhängiger. Die Unterscheidung von Werten und Prinzipien macht an der Stelle Sinn, wo ich Ansatzpunkte zu Veränderungen suche, denn die Prinzipien sind der Weg zur Nachhaltigkeit.

Da Prinzipien Naturgesetzen des menschlichen Zusammenlebens gleichen, kann ich Prinzipien, im Gegensatz zu Werten, nicht ändern. Ich sollte aber lernen, sie zu akzeptieren, mit ihnen umzugehen und meine Werte zu überprüfen.

werteEin Beispiel: Arm - Reich. In unserer westlichen Welt ist Armut überwiegend ein Phämomen der selektiven Wahrnehmung. Das man sich auch im Reichtum tatsächlich arm fühlen kann, werden viele wohlhabende Menschen bestätigen können. Umgekehrt wissen wir, dass es materiell arm erscheinende Menschen gibt, die von einer Art "inneren Reichtum" zehren können, z.B. durch Selbstgenügsamkeit. Ein Bekannter von mir lebt in einer kleinen Zwei-Zimmer-Wohnung und gibt jeden Cent für Reisen aus, um sich Kopien bestimmter mittelalterlicher Handschriften und Bücher zu einem bestimmten Thema zu beschaffen. Seine Sammlung dürfte mittlerweile auf der Welt einzigartig sein. Ist mein Freund also "arm"? Garantiert fühlt er sich nicht so!

Wohin wir tendieren, richtet sich vor allem nach den Werten, die wir vertreten und erst in zweiter Linie nach den Umständen, die uns die entsprechenden Entscheidungen situationsbedingt aufzuzwingen scheinen. Umso wichtiger ist es, sich über die Werte klar zu werden, die man vertritt. Es gibt ein breites Spektrum an Literatur und an weltanschaulichen und religiösen Gruppen, die für diese Notwendigkeit Programme bieten, teilweise sinnvoll, teilweise mit nur sehr eingeschränktem Nutzen.

Ein toller Anfang in dieser Hinsicht und völlig ideologiefrei (trotz des reißerischen und wenig aussagekräftigen Titels) ist das Buch: "Die sieben Wege zur Effektivität" von Stephen Covey.

fernsehVon der Freiheit des Willens

Sich für bestimmte Werte zu entscheiden ist ein Akt des Willens, der Freiheit zur Enscheidung voraussetzt. Die Freiheit, sich die Umstände seines Daseins selbst gestalten zu können, kann von allen Lebewesen auf der ganzen Welt nur von Menschen in Anspruch genommen werden. Wie aber kommt es dann, das so viele Menschen nur ein Spielball der Entscheidungen zu sein scheinen, die andere getroffen haben? Wie kommt es, dass man sich oft machtlos gegenüber Institutionen oder Umständen empfindet? Natürlich kann es Umstände geben, gegen die wir handelnd momentan nichts ausrichten können. Was wir aber in jedem Fall können, ist darüber zu entscheiden, wie man auf diese Umstände reagiert, "was ich daraus mache". In dieser Erkenntnis liegt eine ungeheure Freiheit und ein Weg zur Zufriedenheit. Wir sind als Menschen eben nicht im "Reiz-Reaktions-Schema" der Tierwelt gefangen. Simple Living ist ein Beispiel.

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