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Kurze Einführung

brand eins 2005Brand eins Magazin vom August 2005:

Nie wieder Vollbeschäftigung! Wir haben Besseres zu tun.

Der pure Zynismus? Oder ein Weg heraus aus der "Du bist nur dann etwas wert, wenn Du vollbeschäftigt bist"?

Individuelle Gründe für das Simple-Living-Konzept

Obwohl es vielen Menschen in diesem Lande scheinbar wirtschaftlich gut geht und die Lebensumstände vor allem im Vergleich zur dritten Welt geradezu paradiesisch sind, ist das Jammern auf hohem Niveau zur Eigenart geworden. Die unendlichen Freiheiten der Lebensgestaltung locken und führen doch oft in die Irre. Man könnte den Eindruck haben, das der Mensch nicht für ein Leben ohne materielle Not geschaffen ist. Gerade die letzten Jahre haben allerdings auch zu ganz realen wirtschaftlichen Problemen bei vielen Menschen in Deutschland geführt ("Hartz IV"). Die extrem gestiegenen Lebenshaltungskosten sind oft erst dann bewußt, wenn man sich materiell stark einschränken muss, z.B. bei Verlust des gewohnten Gehalts. Positive Nachrichten aus dem Wirtschaftsbereich scheinen immer nur in begrenzten Bevölkerungsschichten zu einer Verbesserung der Situation zu führen. Die künstlich durch Werbung geschürte Unzufriedenheit tut ihr Übriges. So recht wohl scheint sich in dieser Gesellschaft der institutionalisierten Absurditäten kaum noch jemand zu fühlen.

Hängt die Beantwortung der individuellen Sinnfrage mit dem Arbeitsplatz zusammen, so ist das Vakuum unvermeidbar, wenn der Arbeitsplatz wegfällt. Aber auch diejenigen, denen es materiell gut geht, spüren ein Unbehagen, denn der Preis für materiellen Wohlstand kann hoch sein: extremer Stress, Burn-Out oder Bore-Out (Innere Kündigung durch Langeweile), das Bewusstsein der Komplexität der modernen Welt, Zeitmangel, aberwitzig gestiegene Ansprüche am Arbeitsplatz oder in der Familie, Überlastung und Ausbeutung. Relativ neu in der deutschen Nachkriegsgesellschaft: existentielle Ängste als Resultat zusammenbrechender Sozialsysteme.

Gesellschaftlich/ökologische Gründe für das Simple-Living-Konzept

Schon seit Jahren haben viele Menschen auf eine Gegenbewegung zur hedonistischen Kultur der späten 90er Jahre gewartet. Nachdem mit dem Ende des Kalten Krieges die sogenannten "Ökos" von der Bildfläche weitgehend verschwanden, schien es keine Alternative zu dem mehr und mehr ausuferndem Konsumwahn zu geben. Das Scheitern der "New Economy", sowie die seit vielen Jahren immer stärker um sich greifende Resignation über die poiltischen Verhältnisse macht vielen Menschen deutlich, dass in dieser Gesellschaft ein grundlegender Wandel weg vom rein Materiellen erforderlich ist. Auch Globalisiserungskritiker wissen, dass eine der wenigen langfristig erfolgreichen Strategien gegen die weltweite Heranzüchtung von unkritischen Konsumenten in der Änderung des Lebenswandels der sogenannten "Ersten Welt" besteht. Die Entwicklung des Beschäftigungsmarktes führt zu traumatischen Erfahrungen, wenn Menschen feststellen müssen, dass die als ewig sicher geglaubten sozialen Sicherungssysteme innerhalb weniger Jahre in sich zusammenbrechen.

Dieses Trauma erfasst dabei nicht nur Einzelne, sondern gesamte Nationen. Auch das Zusammenwachsen Europas führt zu weitgehender Frustration. Hatte der Einzelne früher schon das Empfinden, dass Bürokratie und Verordnungswut stetig zunehmen, so verstärkt die schrittweise Abgabe der Souveränität der Mitgliedsländer die Unübersichtlichkeit der europäischen Zentralinstitutionen und die Absurditäten einer kaum kontrollierten Euro-Bürokratie. Leider ist von den Regierenden bisher niemand ernsthaft auf die Idee gekommen, ein "Vereinfachungs-Ministerium" einzuführen, das sämtliche getroffenen oder zu treffenden Verordnungen und Gesetze überprüft, ob sie sinnvoll, vermittelbar und möglichst einfach sind, und das, bevor sie auf die Bevölkerung losgelassen werden. Die derzeitigen Versuche der EU, den Bürokratisierungswust einzudämmen, wirken lächerlich. Vor allem dann, wenn als Experten für solche Versuche ausgerechnet die Politiker von Ihren Ländern nach Brüssel entsorgt werden, die bisher Teil des Problems waren.

bildNaturkatastrophen als Folge des Klimawandels lassen derzeit wieder ein Bewusstsein über die ökologischen Folgen von Raubbau und Vernachlässigung der Nachhaltigkeitsprinzipien entstehen. Selbst wenn sich Spitzenpolitiker vor der Diskussion der Folgen des Wohlstands gern drücken, die Folgen der globalen Erwärmung bekommen wir alle mehr und mehr über den Geldbeutel zu spüren. Denn Naturkatastrophen sind nicht "persönliche Probleme der Betroffenen", sondern gehen uns alle etwas an.

Auch über die Politik hinaus scheint es keine Institutionen mehr zu geben, die die Sinnfrage schlüssig beantworten können. Parteien oder Kirchen, die ihre Werte zu offensichtlich nach den Ergebnissen von Meinungsumfragen ausrichten, werden als Kompass für das Leben des Individuums oft nicht wahrgenommen.

Besinnung auf das Wesentliche

bildAus dieser Situation heraus bietet das Simple-Living ein ganzheitliches und werteorientiertes Konzept für eine Lebensführung, die versucht, aus wenigem mehr zu machen. Die Ursprünge der Bewegung liegen in den USA, wo bereits seit den frühen 80er Jahren Bestrebungen einzelner Gruppen im Gange sind, Alternativen zum herschenden Lebensstil zu bilden, ohne auf Lebensqualität zu verzichten oder besser: Lebensqualität neu zu definieren. Ein Auslöser in den Vereinigten Staaten war eine Bewegung, die sich gegen die Kommerzialisierung des Weihnachtsfests wandte ("Whose birthday is it?"). In Deutschland ist spätestens seit "Simplify your Life " in den Bestsellerlisten zu finden ist, ein Bewusstsein entstanden, einen Sinn über das Immer-mehr hinaus zu suchen. Allerdings ist für viele Menschen die Sache mit billigeren Einkäufen und "endlich mal entrümpeln" nur vorläufig erledigt. Die Frage der Nachhaltigkeit verlangt nach einem Konzept jenseits von Aldi & Co. Viele "Life-Style-Simplifyer" machen die Erfahrung, das es mit dem Lesen eines Buches nicht getan ist. Was aber ist "das Wesentliche"?

Weiter geht es mit (K)eine Mission

 

 

 

 

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